Co-Working & Gründen mit dem Partner – Ein Interview mit Marina Zubrod

Mein erstes Interview habe ich mit Marina Zubrod zum Thema Co-Working & Gründen mit dem Partner geführt. Was soll ich sagen? Es war super spannend einen Einblick in Marinas Erfahrungen zu bekommen. Sie hat erfolgreich ihr Start-Up Matica Cosmetics zusammen mit ihrem Mann Jan gegründet. In dem Interview verrät sie uns ihre Tipps für ein erfolgreiches Co-Working & Gründen mit dem Partner. Warum Marina übrigens nichts von externen Investoren hält und welche Erfahrungen sie mit dem „Thomas-Effekt“ gemacht hat, könnt ihr hier nachlesen:

Melanie: Hallo Marina, super, dass es geklappt hat! Magst du dich vielleicht einmal kurz vorstellen? Also wer bist du und was machst du?

Marina: Gerne, ich bin BWLerin. Ich habe meine Karriere vor einigen Jahren im Investmentbanking angefangen. Von da aus habe ich mich mehr in die Start-Up Welt entwickelt. Für eine Großbank hatte ich bereits in Start-Ups investiert.

 

Seit 2016 hat mich selbst das Unternehmertum gepackt. Ich war dann als Geschäftsführerin eines Start-Ups im Versicherungsbereich tätig. Das lief leider nicht so gut, weil ich die Investorengelder nicht zusammenbekommen habe. Seither bin ich als selbstständige Beraterin unterwegs. Ich berate große Konzerne in den Themen Digitalisierung, Innovation, neue Produkte, aber auch bezogen auf Start-Ups.

 

Seit knapp einem Jahr ist nun auch meine eigene Beautymarke, Matica Cosmetics, live. Diese besteht aus Naturkosmetik auf Bienenwachsbasis. Das Unternehmen habe ich mir als zweites Standbein aufgebaut.

Melanie: Wie kamst du denn konkret auf Matica Cosmetics?

Marina: Das Beauty Start-Up habe ich ursprünglich als Amazon Business gedacht. Also, dass ich mir aus dem Wohnzimmer heraus den Jahresurlaub verdiene. Einfach, weil ich Lust auf ein Produkt hatte. Es ist immer so gewesen, dass ich mich als Unternehmensberaterin mit meinen Kunden aus der Finanzwelt im Dienstleistungsbereich bewege. Ich hatte deshalb total Lust auf ein Produkt, das ich in der Hand haben kann.

Schon seit Jahren achte ich auf die Inhaltsstoffe von Kosmetika. Per Zufall bin ich Ende 2018 mit einem Hersteller in Kontakt gekommen, der schöne Naturkosmetikprodukte im Angebot hatte. Damit habe ich mich weiter auseinandergesetzt und plötzlich richtig viel Herzblut reingesteckt. So wurde aus dem geplanten Amazon Business mehr. Die Ergebnisse, wie das Branding, Positionierung und alles was irgendwie entstand, waren mir dann zu Schade, um diese nur über Amazon zu verkaufen. So kam die Idee eines richtigen Onlineshops.

Melanie: Matica Cosmetics machst du inzwischen aber nicht mehr alleine, sondern mit deinem Mann Jan zusammen, oder?

Marina: Die Wochen und Monate nach meiner Entscheidung, mehr als ein Amazon Business draus zu machen, waren in der Tat so intensiv, dass mein Mann auch bei Matica eingestiegen ist. Insbesondere weil ich zu dem Zeitpunkt ein Vollzeit-Beratungsmandat hatte und das auch nicht liegen lassen wollte, weil es viel Geld brachte, was wir am Anfang für Matica sehr gut gebrauchen konnten. Gerade am Anfang steckt man schon deutlich mehr Geld in ein Start-Up als herauskommt. Daher war schnell klar, dass ich das Mandat mit dem ich viel Geld verdienen konnte, machen musste, damit wir ohne Investoren weitermachen können. Mein Mann hat daher auf eigenen Vorschlag hin sein Beratungsmandat niederlegt und ist bei Matica eingestiegen.

Melanie: Das ist sehr cool. Schön, dass er das vorgeschlagen hat. Aber es ist ja spannend, dass dein Mann erst im Nachhinein recht zufällig dazu gekommen ist und ihr das im Vorfeld gar nicht so geplant hattet.

Marina: Genau und so hat er das damals seinem Auftraggeber auch erklärt. Dieser hat als Unternehmer auch gut verstanden, dass wir unser privat investiertes Geld nicht schleifen lassen wollten. Der Erfolg gab uns nämlich Recht. Es gibt keine Zeitschrift und kein Onlinemagazin, also von Bunte über Gala bis Gracia und Vogue, was nicht über uns berichtet hat. Das war eine krasse Bestätigung für uns. Einer musste daher Vollzeit reingehen. Das war er, da er zu dem Zeitpunkt in seinem Projekt weniger verdient hat als ich mit meinem. Seit Ende November 2019 arbeite ich selbst jetzt auch wieder Vollzeit für Matica und habe nur noch nebenbei einzelne Mandate, um noch weiteres Geld zu verdienen. Wir hängen daher nun 24 Stunden miteinander ab. Wir sind ein Vollzeit-Duo. Beruflich als auch Privat.

Melanie: Okay, das wäre meine nächste Frage gewesen, also wie viele Stunden ihr effektiv zusammen verbringt. 24 Stunden ist schon heftig. Wenn ihr so viel Zeit miteinander verbringt, macht ihr das so, dass ihr euch beispielsweise wenigstens durch getrennte Aufgaben voneinander separiert? Ein gewisser Abstand kann einer Beziehung ja auch gut tun.

Marina: Ja, das aufjedenfall. Bei uns sind die Aufgabengebiete ziemlich stark abgesteckt, sodass wir uns da nicht in die Quere kommen. Natürlich sprechen wir uns ab, aber prinzipiell geht jeder getrennt seinem Aufgabenbereich nach. Er kümmert sich um Onlinemarketing, Einkaufsverhandlungen und Produktion. Ich bin auf der kreativeren Contentseite zusammen mit unser Grafikerin. Wir haben gelernt, dass diese inhaltliche Trennung sehr hilft, damit man sich nicht so viel aneinander reibt – insbesondere dahingehend, dass es keine Missverständnisse gibt, wer was zu tun hat.

Melanie: Das ist glaube ich wirklich sehr sinnvoll. Aber diese bewusste Aufgabentrennung ist dann nach Erfahrung und Talenten erfolgt? Oder kam das einfach?

Marina: Dass mein Mann die Themen rund um Onlinemarketing macht, war eine Kapazitätsangelegenheit, da man sich dort rein lernen musste. Es wäre zu aufwendig gewesen, dass beide das lernen und mein Mann hatte darauf Lust. Ich verantworte die Bereiche PR, Branding, Grafik etc. Das kommt daher, dass der Look und das Feeling der Marke einfach ich bin.

Melanie: Hast du dennoch das Gefühl, dass ihr euch gegenseitig reinredet? Insbesondere wenn Marketing eine Wissensfrage ist? Oder ist das eher beratend, aber die Letztentscheidung hat der Verantwortliche?

Marina: Wir sind beide starke Persönlichkeiten und haben gerne Recht. Das ist einfach so. Wir kennen uns schon seit dem Studium und sind geübt gemeinsam in einem Team zu arbeiten, wie früher bei einer Gruppenarbeit. Wir haben daher gelernt im Team zu agieren. Dadurch sagen wir schon unsere Meinung, aber am Ende des Tages entscheidet der Verantwortliche. Was wir aber gelernt haben ist, dass wenn einer wirklich Bedenken hat, dann nimmt sich der Andere diese zu Herzen. Die Bedenken haben meist eine gewisse Rechtfertigung. Diese sind oft ein guter Denkanstoß seine eigene Entscheidung zu hinterfragen. Am Ende des Tages ist es aber einfach eine Kompetenzangelegenheit über Geschmack und persönlichem Gefühl hinaus.

Melanie: Habt ihr beispielsweise schon die Situation erlebt, dass ihr privaten Konflikt hattet, aber ihr euch für Berufliches zusammenraufen musstet? Ich persönlich stelle mir das super schwer vor, wenn man sich über irgendeinen privaten Mist gestritten hat und im nächsten Moment wieder professionell zusammenarbeiten muss, weil es ums Business geht.

Marina: Da fällt mir gar nichts konkretes ein, weil wir Unmut direkt ansprechen. Wir kennen uns schon eine ganze Weile und haben festgestellt, dass wir einfach so am besten funktionieren. Aber es gibt natürlich Phasen, wo man stark reizbar ist. Irgendwie ist dann alles frustrierend. Alles nervt. Der Alltag ödet einen an. In einer solchen Situation hilft nichts anderes als Rücksicht zu nehmen und am nächsten Tag nochmal drüber sprechen und zu hinterfragen woran es lag. Vielleicht passt der Aufgabenbereich einfach nicht mehr. Das hatten wir im Dezember oder Januar, wo Jan sehr viel Stress hatte. Nach ein paar Tagen habe ich ihn dann darauf angesprochen. Er hat dann gesagt, dass er nicht mehr hinterherkommt und dies frustrierend ist. Ich würde auch nerven, weil ich die Bestellungen rausschicken wollte. Daraufhin haben wir uns eine Aushilfe geholt, die ihm bei der Produktion geholfen hat. Das war einfach ein Thema, wo wir drüber sprechen mussten und überlegen, wie wir das auffangen und ändern konnten. Das gilt aber unabhängig davon, ob wir als Ehepaar zusammen tätig sind oder nicht.

Melanie: Aber ist das für dich ein Unterschied, ob das dein Mann oder ob es ein anderer Mitarbeiter ist? Die Trennung zwischen privat und beruflich stelle ich mir schwierig vor. Oder tragt ihr berufliche Themen in eure Ehe rein?

Marina: Nein, eigentlich nicht. Das gilt aber vor allem wegen der direkten und ehrlichen Worte. Keiner von uns muss dem Anderen irgendeine Führungskompetenz oder ähnliches beweisen. Man muss es nur schaffen, persönlich die Trennung zu ziehen und den Anderen genug zu akzeptieren als Individuum. Nur, weil er mein Ehemann ist, kann ich nicht jegliches von ihm einfordern. Man muss schon stark in den „Rollen“ denken, die wir einnehmen, also als Co-Founder, aber auch gleichzeitig wenn wir Heim kommen als Ehefrau und Ehemann. Und dies muss man auch respektieren.

Melanie: Nehmt ihr euch auch bewusst Auszeiten vom beruflichen Alltag? Sonst redet man doch bestimmt abends immer noch viel über die Geschehnisse vom Arbeitstag.

Marina: Es ist nicht so, dass wir ständig nach Hause kommen und beide direkt wieder am Laptop zum Arbeiten sitzen. Klar, wenn einem noch ein Gedanke durch den Kopf geht, dann schreibt man diesen nieder. Das kann als Angestellter aber genauso gut passieren. Prinzipiell versuche ich eine Trennung aufjedenfall einzuhalten. Daran muss ich meinen Mann auch manchmal erinnern. Zum Beispiel, wenn ich abends mal mein Buch lesen möchte und nicht mehr über die Arbeit mit ihm sprechen möchte. Dann darf der andere auch nicht drängeln, sondern muss dies akzeptieren. Jeder hat unterschiedlich Energie. Bei Angestellten habe ich ja auch die Wahl, wenn diese mir eine Nachricht senden, wann ich darauf reagieren möchte, also heute Abend noch oder morgen früh.

Melanie: Siehst du noch andere Voraussetzungen oder Kriterien für das erfolgreiche Co-Working & Gründen mit dem Partner, welche Paare erfüllen sollten aus deiner Erfahrung heraus? Könnte dies zum Beispiel eure direkte Ehrlichkeit sein?

Marina: Ja, es ist aber auch eine Kompetenzangelegenheit. Wenn man sich mit seinen Fähigkeiten gegenseitig ergänzt, ist das schon sinnvoll. Man erfüllt faktisch eine Rolle, die alternativ jemand Anderes übernehmen würde. Es muss inhaltlich daher schon passen, denn man muss sich mit seinem Stellenprofil auch wohlfühlen. Wenn beide aber das Gleiche machen wollen, dann wird dies schwieriger, da man sich für andere Bereiche externe Menschen reinholen muss. Die Dynamik wird dadurch eine andere. Damit muss man als Team dann umgehen können.

Ich glaube erstens ist es daher eine Kompetenzsache und zweitens eine Sache der Bereitschaft Grenzen zu ziehen und einen Unterschied daraus zu machen, ob man ein Arbeitsteam oder ein Liebesteam in der jeweiligen Situation ist. Ich glaube, dass wenn ein Ehepaar sich dazu klar positioniert und es für die Ehepartner auch in Ordnung ist sich dem Anderen auch mal in Kompetenzfragen unterzuordnen, dann kann das klappen.

Melanie: Im Ergebnis ist das doch eine Frage von Vertrauen in die Kenntnisse des Anderen?

Marina: Genau. Das Unterordnen ist aber in jedem Team, sobald einer besondere Kompetenzen hat, relevant. Auch delegieren gehört dazu. Das muss man aber auch in anderen beruflichen Konstellationen. 

Ich glaube vor allem, dass es für ein Paar eine Chance ist, ein selbstbestimmteres Leben zu gestalten. Wir selbst bestimmen wie unsere Arbeitsdynamik ist. Man ist auch viel freier verschiedene Projekte nebenher wahrzunehmen, da man sich begrenzter absprechen muss. Zum Beispiel war ich letztens in einer Talkshow von Marco Schreyl und musste innerhalb von zwei Tagen in das Studio nach Hürth. Das konnte ich am Telefon sofort zusagen, da ich wusste, dass Jan da ist und die Arbeit abfängt. Er würde niemals sagen „Nein Marina, ich muss erstmal in meinem Kalender nachschauen“. Wenn ich einen Co-Founder hätte, der nicht mein Ehemann ist, müsste ich mich erstmal absprechen und drauf hoffen, dass diese Person mein anderes Projekt mit wuppen möchte. In unserer Situation kann ich daher Chancen besser nutzen und ergreifen. Man weiß, dass der Andere einfach da ist.

Melanie: Ja, da hast du vollkommen recht. Noch zu einem anderen Thema: Du hast erzählt, dass du schon 2016 bei einem Versicherungs-Start-Up gearbeitet hast. Da hast du schon Gründungserfahrungen gesammelt. Konntest du davon nun bei deinem eigenen Start-Up profitieren?

Marina: 2016 war ich bei einem fremdfinanzierten Start-Up, bei dem die Gesellschafter 90 % gehalten haben. Diese haben das Start-Up vorfinanziert und mich dann im Nachhinein ins Boot geholt. Ich habe mich damals von meinen Gesellschaftern sehr fremdbestimmt gefühlt. Ich hatte immer jemanden, der mir am Ende auf die Finger geschaut hat. Das galt unabhängig von der Frage, dass ich eigentlich die ganzen Kompetenzen hatte.

Und darüber hinaus war die Investorengeldersuche als Frau für mich die absolute Hölle. Ich hatte durchweg männliche Gesprächspartner, die jenseits 40 waren, weiß, privilegiert, die Wenigsten haben in ihrem Leben jemals selbst gegründet. Sie investierten fremdes Geld, dass sie mit schönen Geschichten von anderen Investoren geholt hatten und diese meinen bestimmen zu dürfen, ob ich das Zeug dazu habe, den nächsten großen Exit zu machen.

Melanie: Nennt man das nicht den „Thomas-Effekt“?

Marina: Ja, genau. In Deutschland ist das „Thomas“ und in England, glaube ich, „James“. Diese Investorengeldersuche – und ich bin echt ein “tough cookie” – war die schlimmste Phase, die ich jemals in meinem ganzen Leben hatte. Entweder war ich zu schüchtern, zu selbstbewusst, zu laut, zu weiblich, zu männlich, zu unsicher, zu sicher, zu schnell oder zu langsam. Es war immer irgendwas von „zu“ und nie richtig. Der eine sagt dir, dass du nicht selbstbewusst und analytisch genug bist. Also versuchst du das im nächsten Meeting umzusetzen. Der Investor sagt dir dann, dass du zu analytisch bist und nicht genug Emotionen zeigst. Das ist ein Teufelskreis, wo man dem gegenüber versucht zu gefallen. Ich wollte ja das Geld von ihm haben, damit ich das Start-Up weiter am Leben halten kann. Man möchte erfolgreich aus diesem Gespräch rausgehen. Diese Abhängigkeit und dass alle Investoren meine Väter hätten sein können, in Verbindung mit der Tatsache, dass ich Mitte 20, blond und weiblich war, war prädestiniert dafür, dass ich das Geld nicht zusammen bekommen habe. 

Melanie: Glaubst du, dass es besser gelaufen wäre, wenn du ein Mann gewesen wärst?

Marina: Ja, klar! 10.000 %! Ich war ja vorher Venture Capital Investorin bei einer Bank. Dementsprechend kenne ich das von der anderen Seite. Ich habe dort nie erlebt, dass irgendein männlicher Gründer auf „zu emotional“ oder „zu selbstbewusst“ runter reduziert wurde in einem Pitchmeeting. Dieses Persönlich-Werden habe ich noch nie erlebt, dass man das einem Mann gegenüber macht. Dort ging es immer um die wesentlichen objektiven Fakten: Das Geschäftsmodell, die Zahlen oder das Wachstum stimmte nicht. 

Vor ein paar Wochen hatte ich per Zufall mit einem Businessangel zu tun. Dieser hatte sich bei mir gemeldet. Nachdem ich ihm über Geschäftszahlen und anstehende Kooperationen berichtet hatte, fragte er mich: „Frau Zubrod, das klingt alles echt großartig. Aber Sie sind jetzt 30 und seit 4 Jahren verheiratet. Wie sieht es mit ihrer Familienplanung aus?“ Ich war schockiert. Aber da ist wieder dieses „man will ja gefallen“. Daher habe ihm versucht so objektiv und professionell wie möglich darzulegen, dass ich das als Frau – egal wie meine Familienplanung aussieht – schaffen kann. Eigentlich hätte ich auflegen sollen und vorher sagen, dass er irgendwas im Jahr 2020 nicht verstanden hat und er niemals in meine Firma wird investieren dürfen. Aber das war meine Reaktion leider nicht. Ich habe versucht sehr diplomatisch zu sein und alles etwas weichzuspülen. Das war Schwachsinn! Er hat mich offensichtlich so diskriminiert, dass ich nicht mehr diplomatisch sein brauche. Im Nachhinein habe ich mich super über das Gespräch geärgert. Abends habe ich Jan von dem Gespräch erzählt. Er war sprachlos und fragte mich, warum ich noch so bescheuert gewesen wäre und darauf eine Antwort gegeben hätte. Man ist aber so konstruiert in der Situation, dass man leider nicht verbal den Mittelfinger zeigt. Aber eigentlich müsste man das. Ich habe nur eine Mail im Nachgang geschrieben, dass ich kein Interesse an einer Zusammenarbeit habe, aber eigentlich hätte ich nochmal zum Hörer greifen müssen und ihm erklären, dass das einfach nicht ging. 

Melanie: Das ist schon verrückt. Du bist ja eine super selbstbewusste Frau, aber selbst du hast Probleme in solchen Situationen was zu sagen. Wie soll das anderen Frauen in derselben Situation gehen, die weniger taff sind? Welche Learnings konntest du daraus für dich ziehen?

Marina: Für mich ist bei Matica Cosmetics klar, dass ich keine externen Investoren möchte, sondern alles aus eigenem Ersparten mache. Ich möchte mich einfach frei bestimmen können.

Melanie: Das ist wirklich auch ein wichtiges Zeichen, wenn du für dich sagst, dass du es von den „Thomas’en“ der Welt nicht nötig hast so behandelt zu werden.

Marina: Es ist ein Struggel. Einerseits kann ich natürlich nicht so schnell wachsen wie andere. Andererseits bin ich mit vielen anderen Gründerinnen im Beauty-Bereich im Austausch, die fremdfinanziert sind, die mir erzählen, dass sie genau diesen „Thomas-Effekt“ erleben. Diese Mitstreiterinnen muss ich häufig mental unterstützen und wieder aufbauen. Jede Kritik und Rückschlag tun auf Dauer schon weh, auch wenn man diese nur bedingt an sich ran lassen will. Zu spüren, dass es daran liegt, dass man eine Frau ist, trotz dass man taff und Geschäftsfrau ist, aber dennoch das Funding nicht zusammen bekommt, ist deprimierend. Daran verliert man unfassbar viel Selbstbewusstsein.

Melanie: Es ist ja aber schön, dass ihr euch gegenseitig unterstützt, helft und zusammenhaltet. Genauso muss das sein!

Marina: Ich glaube einfach, dass jede Frau, die gründen und in die Selbstständigkeit gehen möchte, sich anderen Unternehmerinnen suchen muss, um einen Dialog zu haben. Man braucht einfach ein ganzes Dorf, um ein Unternehmen aufzubauen. Ein Beispiel zur aktuellen Situation: Leuten in Festanstellung brauche ich nicht zu erzählen, wie es sich aktuell anfühlt, wenn ich Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken muss. Das können die gar nicht nachvollziehen. Mit der Zeit sucht man sich die passenden Leute. Nur so bringt es was und kann sich gegenseitig motivieren. Gerade wir Frauen müssen das gegenseitig tun. Die Männer machen das sowieso. Die schustern sich die Deals zu. Das ist manchmal nur eine WhatsApp-Nachricht. Und genauso müssen wir Frauen es auch machen.

Melanie: Da hast du vollkommen Recht. Das ist ein schöner Satz vor meiner letzte Frage: Magst du einen Fun Fact über dich verraten?

Marina: Tatsächlich habe ich schon seit einiger Zeit keine eigenen Beautyprodukte mehr benutzt, weil ich immer vergesse, diese nach Hause mitzunehmen. Ich glaube, ich bin die schlechteste Konsumentin meiner eigenen Beautymarke. Nicht aus Überzeugung, sondern aus Zeitmangel.

Melanie: Perfekt, vielen Dank für das schöne Interview und dass du mir von deinen Erfahrungen berichtet hast! Ich hoffe, dass davon auch einige andere Frauen profitieren können!

Hast du schon Erfahrungen mit Co-Working & Gründen mit dem Partner gemacht? Erzähle mir gerne von deinen Erlebnissen unten in den Kommentaren oder per E-Mail. Ich freue mich!

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